Zeit für’n Abflug vom grünen Olymp, ihr falschen Götter! Eine Polemik

Was für ein grüner Mist! Die Stuttgart 21-Proteste waren ja angesichts der Handlungen der tolpatschig Herrschenden im Ländle durchaus nachvollziehbar, wenn auch nicht bei allen Beteiligten, wie wir inzwischen wissen. Da gibt es auch Grüne, die hin und wieder ihr Mäntelchen und ihr Beutelchen in den Wind hängen. Doch das ist ein zu weites Feld, das wir jetzt nicht abschreiten müssen. Immerhin hat die grüne Windbeutelei den Ökos in jüngster Zeit Sympathien bis tief ins bürgerliche und sozialdemokratische Lager eingebracht. Beschäftigte, Beamtete, Selbstständige, Händler, Künstler, Fußballfans, Radfahrer, Trittbrettfahrer, Geher, Marathonmänner, Gruweschuhversteckler – sie alle konnten sich wenigstens ein bisschen mit ein bisschen mehr oder weniger Protest gegen etabliertes Politik(er)gehabe anfreunden.

Aber jetzt? Jetzt werden die Ökos übermütig angesichts überschießender Prognosezahlen. Dieses citius altius fortius in den Prognosen macht leichtsinnig – als ob je Prognosen für Wahlergebnisse gegolten hätten. Wie kann man so einen Mist bauen!

Jetzt sind die grünen WeltverBesserwisser also gegen Olympia. Wieder so eine Provinzposse, nur diesmal albern, kurzsichtig, volxfeindlich. Ich mag Olympia, und ich möchte es schon gern in Deutschland, und Millionen möchten es auch. Will das denn nicht in euren grünen Dickschädel? Ist schon eine merkwürdige Allianz, die sich da gebildet hat.

Wahrlich, ich sage euch, ihr grünen Apostel: Ich werde den Eindruck nicht los, dass ihr euch in der Rolle elitärer Antikörper gefallt, und so inszeniert ihr euch als vertrackte Spätpubertäre, Spassverderber, Unbefriedigte, im 68er-Dunstkreis Stehengebliebene, Verschrobene. Das soll mehrheitsfähig sein? So wollt ihr Volxmehrheiten erobern?

Mein Gott, dann scheint es aber an der Zeit, eure verquaste Spassbremserei, eure Fortschrittshemmungen und Verklemmungen zu entlarven.

Besserverdienende Moralapos(tel) wollen die Mehrheit missionieren. Ein Rückfall in alte barbarische Grünzeugzeiten. Dabei hattet ihr euch ganz gut von dem alten Kram befreit. Aber jetzt? Regression. So hatten wir nicht gewettet.

War ja ganz schick bisher. Eure Grünlichkeit hat euch in den Umfragen richtig nach oben gespült, zumal die Medien euch gehätschelt und übers Haar getätschelt haben. Aber jetzt reichts dann doch! Irgendwas haben zu viele linke Spießer aus der Alt68er missverstanden Ära. Find ich nicht lustig, dass sie immer noch kaderparteimäßig Mehrheiten organisieren können.

Von Oberbedenkenträgern, die das Land zum Stillstand bringen, will ich aber wirklich nicht regiert werden. Nicht wirklich.

Zeit für’n Abflug vom Olymp, ihr falschen Götter. Guten Flug wünsch‘ ich!

7 Antworten zu “Zeit für’n Abflug vom grünen Olymp, ihr falschen Götter! Eine Polemik

  1. da find ich nichts schlimmes daran, der spassgesellschaft mal ein wenig ans bein zu pinkeln. und sich nicht im vornherein vereinnahmen zu lassen. jedenfalls sind die chancen doch so viel größer, wenigstens ein bisschen was in die richtige richtung zu bewirken, oder? (und überhaupt: no sports!)

    • Churchills No Sports kann ich nun leider gar nicht nachvollziehen. Sportbegeisterung scheint mir im übrigen etwas ganz Anderes als Spaßgesellschaft. Ich jedenfalls bin begeisterter Sportler, war lange selbst aktiv, hatte meinen Spaß dabei, musste dafür aber auch hart trainieren. Mit Spaßgesellschaft würde ich das wirklich nicht umschreiben. Ich weiß nicht, wie oft ich mir die Knie am Reck aufgeshclagen oder am Pauschenpferd gestoßen habe. Aber wenn du dann eine Übungs durchturnen kannst, wenn du die ÜPunkte kriegst, die du erwartet hast, wenn du auf dem Treppchen stehst, dann macht das schon Spaß.

      Was die Ökobilanz angeht, die auch Kathrin angesprochen hat, so kann man bei vernünftigem Konzept vielleicht doch noch etwas bewirken.

  2. Lieber Armin,
    wenn du die Bauern in der Müncher Umgebung fragst, die ihr kostbares Ackerland für Olympia zur Verfügung stellen sollen, dann werden die den grünen Protest gegen Olympia sicher anders bewerten. Die unglaubliche Gigantomanie, die mit Olympia nach München einfallen würde, hätte eine so schlechte Ökobilanz, dass ich ein Veto sehr gut nachvollziehen kann. Ich bin selbst großer Sportfan und gebe zu, dass Olympia im eigenen Land eine tolle Sache wäre. Aber für mich schließt sich die Frage nach dem „Zu welchem Preis?“ unmittelbar an. Wenn wir als Grüne glaubwürdig sein wollen, dann müssen wir eine solche Entscheidung treffen. Alles andere wäre elitär und oberlehrerhaft. Für die Umwelt schreien, aber dann Olympia mittragen? Das geht finde ich nicht.

    Aber du hast sicherlich vollkommen recht mit deiner Kritik der „Dagegen-Partei“. Mit einem reinen Protestprofil lässt sich nicht regieren und schon gar keine Verantwortung übernehmen. Es ist and er Zeit, dass die Grünen ihr „Pro-Seite“ endlich ausbauen.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    PS: Gruweschuhversteckler ist von nun an mein Lieblingswort! =D

    • Liebe Kathrin, dein Kommentar ist schlüssig. Und der Schluss gefällt mir sowieso. Ich denke auch, dass es nicht schadet, die Diskussion ein bisschen pointierter zu führen. Und meinem Ärger muss ich ja auch mal Luft machen.

  3. Niedlich. Die gleiche gönnerhafte von-oben-herab-Attitüde, mit der die CDU die Grünen seit ihrer Gründung erfolgreich klein… äääh…

    Ich wünsche auch weiterhin viel Erfolg.

  4. Pingback: Auch die Süddeutsche gibt den Grünen Saures | armins koenigsblog saar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s