Meisterlügner und Halodris, Passionsspiele und Heimatschwank : 100 Jahre Theaterverein Illingen

Auf der Webseite des Theatervereins Illingen steht ein wundervoller Satz: „Theater ist eine Kunst des Augenblicks. Wenn das Bühnenlicht nach einer Vorstellung erlischt, dann ist etwas Unwiederholbares zu Ende gegangen. Am nächsten Abend sehen wir vielleicht dieselbe Geschichte, aber alle haben sich und alles hat sich verändert.“ Ich liebe das Theater. Nun werden Sie vielleicht denken, dass ich deshalb in die Politik gegangen bin, aber Politik hat mit Theater natürlich nichts zu tun. Theater ist Spiel und Politik ist ernst. Oder ist es manchmal auch umgekehrt?

Für die Akteure, die die Stücke auf die Bühne bringen, ist es natürlich ernst. Und ich habe Hochachtung vor den Spielleitern und Regisseurern, den Schauspielerinnen und Schauspielern, den Bühnenbildner, den Souffleusen, den Technikern. Es ist faszinierend, wie sie auf eine zunächst leere Bühne eine Welt der Wunder, eine Welt der Träume zaubern. Und dafür und deshalb liebe ich das Theater. Das  Profitheater und das Amateurtheater. Die Ausgangssituation ist für beide gleich: Sie wollen und müssen über die Rampe der Bühne das Publikum erreichen und begeistern.

Wie oft habt ihr uns schon begeistert mit eurem Spiel, eurer eigenen Begeisterung, euren spontanen Einfällen, eurem Witz, eurer Sprechkunst, eurer Situationskomik. Ja, ich mag das Direkte am Heimattheater, am Amateurtheater.

Es waren große Aufführungen, die der Theaterverein den Illingern in den letzten hundert Jahren geschenkt hat.

Der Ursprung des Theatervereins Illingen ist der 1910 gegründete „Theaterverein Illtal“. Bereits im Jahre 1911 begeisterten die Passionsspiele das Publikum. 1922 wurden die Heimatspiele zu einem großen Ereignis. „Wilhelm Tell“ stand auf dem Programm.

Die Fans kamen in Sonderzügen

Tausende von Menschen strömten in Sonderzügen und zu Fuß nach Illingen, um die erste saarländische Freilichtbühne zu bewundern. Man spielte Klassiker wie Maria Stuart und Kabale und Liebe und begeisterte das Publikum im Illtal. Dei erste Zäsur war die Nazizeit udn der 2. Weltkrieg.

Nach dem Krieg wagte der Theaterverein den Neubeginn. Es war Spielleiter Johann Zimmer, der die große Idee hatte, die Passionsspiele noch einmal aufzuführen.

Zimmer inszenierte ein Passionsspiel, das durch seine elementare Wucht und seine hinreißenden Szenen einen unvergesslichen Eindruck bei den Besuchern hinterließ. Weit über hundert Akteure zogen in 26 ausverkauften Aufführungen tausende von Besuchern in den Bann dieses Spiels.

Bis zum Jahre 1960 trat der Verein regelmäßig mit größeren Theateraufführungen an die Öffentlichkeit. Danach folgte eine länger Pause.

Es war Richard Fuchs, der dem Verein eine neue Ausrichtung gab. Es war mutig, das Theater von den Klassikern und den Passionsspiele auf eine Mundartbühne umzustellen. Anfänglich standen einige Mitglieder dieser Neugründung skeptisch gegenüber, denn ein Theaterverein, der seine Aufführungen nur noch in Mundart darbieten wollte, existierte zu dieser Zeit im Saarland noch nicht. Von vielen Nachbarvereinen, die heute selbst in Mundart spielen, wurde der Verein sogar mitleidig belächelt.

Es gab jedoch auch ältere Mitglieder, die mit ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz die neue Idee unterstützten. Dies waren insbesondere Johann Zimmer als väterlicher Ratgeber, Emil Jochum als Spielleiter sowie Otto Pfeifer, der weiterhin auf und hinter der Bühne aktiv war.

Heute wissen wir, dass der neue Weg richtig war. Heitere Stücke begeisterten das Publikum.

Hochwürden auf der Flucht, der irre Theodor, der Meisterlügner, Spanien Ole, Das rotseidene Höschen, Der Schaukelstuhl, Der doppelte Moritz, Der Meisterboxer, Tratsch im Treppenhaus sorgten, Ein Koffer voller Geld, Die Ledigensteuer sorgten  für volle Häuser.  Dazu kam Aufführungen der Jugendbühne wie Pünktchen und Anton, Das doppelte Lottchen und Pinocchio.

Sie können stolz sein auf diese Leistung. Und wir als Gemeinde sind es auch. Wir freuen uns auch darüber, dass die Illipse zum Haus- und Hoftheater des Theatervereins Illingen geworden ist und dass sie die Zuschauer aus nah und fern jetzt hierher locken. Was ich an den Aufführungen des Theatervereins Illingen, der Mundartbühne Illingen, so schätze, ist ihre Unmittelbarkeit, ist die Freude am Spiel, ist die Bereitschaft, es denen, die so furchtbar wichtig sind, mal so richtig zu zeigen. Auf liebenswürdige Weise zwar, aber doch treffend. Wie überhaupt die schärfste Waffe das leichte Florett ist.

Ich danke allen, die sich in den Jahren und Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert haben: als Spielleiter, Schauspieler, Techniker, Helfer, als Vorstandsmitglied oder Vorsitzender.

Ihr seid wichtig im Kulturleben der Gemeinde Illingen. Ich möchte euch gern noch viele Jahre auf der Bühne sehen. Greift nur hinein ins volle Menschenleben, hat Goethe gesagt. Und Max Frisch schrieb: „Spiel gestattet, was das Leben nicht gestattet.“ Nutzt diese Freiheiten. Seid kreativ. Und habt Spaß dabei. Ad multos annos – auf viele weitere erfolgreiche Jahre.

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