Streetview nicht eindimensional sehen

Habe heut mit Studierenden das Thema Google Streetview erarbeitet. Dabei stand zunächst die Frage am Anfang, wie Kommunen damit umgehen sollen. Ob sie Google das Befahren ihrer Straßen verbieten sollten beispielsweise. Wir in Illingen haben es nicht getan, weil es keine Rechtsgrundlage dafür gibt. Und weil man Streetview im Wortsinn nicht eindimensional sehen sollte.

Das Streetview-Thema, das heute auf der Seite 1 der ZEIT angerissen und auf 3 Politikseiten intensiv behandelt wurde (u.a. „Die neue Welt ist nackt“) wurde, war total spannend – weil es nämlich keine einfachen Lösungen gibt. Nachdem ich mich ins Thema eingelesen hatte, musste ich meine Meinung, die auf Vorurteilen beruhte, revidieren, nicht komplett, aber in wichtigen Teilen. Denn: Panoramafreiheit und Pressefreiheit sind fast genauso wichtig wie die kritisch diskutierten Fragen der Privatheit. Nichts ist in der Informationsgesellschaft so einfach wie es auf den 1. Blick aussieht. Deshalb sollte es auch keine „Lex Google“ geben.

Natürlich sehe ich die Probleme der Datenmassen, der Verknüpfungen, auch mit Gowalla und anderen Ortungsdiensten. Aber das Abfotografieren von Häuserfassaden als solches ist noch kein Problem. Dagegen ist der Umgang der Datenkraken mit den privaten Daten ein sehr großes Problem. Wir kennen keine Abläufe, keine Google-Algoritmen, keine Löschroutinen – nichts. Schutz der Bürger wäre notwendig.

Doch bisher haben wir dafür nur das Datenschutz-Instrumentarium des letzten Jahrhunderts. Das reicht bei weitem nicht.

Es ist an der Zeit, dass die maßgeblichen Politiker lernen, überhaupt einmal mit dem Internet kompetent umzugehen. Schon dabei gibt es gigantische (politisch-administrative) Defizite.

3 Antworten zu “Streetview nicht eindimensional sehen

  1. Pingback: Google vs. My Estate – Part 1 | _n1Ls_

  2. Wie wahr:
    „Es ist an der Zeit, dass die maßgeblichen Politiker lernen, überhaupt einmal mit dem Internet kompetent umzugehen. Schon dabei gibt es gigantische (politisch-administrative) Defizite.“

    Ich finde es angenehm, dass es auch einige gestandene (Kommunal-) Politiker gibt, die keinerlei Berührungsängste mit dem (nicht mehr ganz so neuen) Medium Internet und seinen Möglichkeiten haben.
    Und die diese Möglichkeiten auch nutzen. Siehe u.a. Armins Königsblog 😉

    Die Diskussion der vergangenen Wochen und Monate über „Google Streetview“ offenbart erschreckende Informations- und Wissensdefizite vieler politisch verantwortlicher Zeitgenossen im Zusammenhang mit Internet & Co.
    Viele ganz offizielle Äußerungen sind derart unqualifiziert, dass sich der aufmerksame Zuschauer, Zuhörer oder Leser fast schon an diverse Straßeninterviews in einschlägigen Comedysendungen erinnert fühlt.
    Das ist peinlich.

  3. In der aktuellen Diskussion schwingt meines Erachtens viel Hysterie mit. Es geht letzten Endes um Fotos, die mit einer Straßenkarte zu einem Netzwerk von Bildern verwoben werden. Diese Verknüpfungen kann jeder, der es will, auch ohne Streetview herstellen. Dabei ist Streetview noch nicht mal neu. Die Autos fahren seit mindestens zwei Jahren durch Deutschland (und zwar gut erkennbar), ganz abgesehen von der Tatsache, dass vergleichbare Dienste schon in Betrieb sind.
    Weit problematischer sehe ich da im Moment die angedachte Gesichtserkennung auf Bildern, die in einigen Berichten diskutiert wird. Aber bis sich die deutsche Politik und die mediale Pseudo-Öffentlichkeit, vulgo „Bild“, damit (dann wieder völlig unsachlich und überhastet) beschäftigt, wird wohl noch ein Weilchen ins Land gehen.

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