Internetwahlkampf der Superlative – Wie Obama gewann

Barack Obamas Kampagne 2008 hat Maßstäbe gesetzt. Das Rennen um die US-Präsidentschaft gegen John McCain ist als „Wahlkampf der Superlative“ bezeichnet worden. Denn vor dem eigentlichen Präsidentenwahlkampf musste Obama erst die favorisierte Hillary Clinton innerparteilich besiegen. Für die Kampagnen wurden unglaubliche Summen ausgegeben. Nach einer Studie des Center for Responsive Politics lagen die Kosten bei 2,4 Milliarden Dollar. Gegenüber 2004 war dies eine Steigerung um 50 Prozent.

Der US-Wahlkampf war eine gigantische Material- und Medienschlacht, der Politikberater Stanford Jason bezeichnet Wahlkampf als Krieg. In einem Krieg entscheiden Ressourcen und Strategien. Nina Trentmann hat Wahlkampf und Strategien umfassend untersucht. Schwerpunkte waren die Kampagnenorganisation, die Nutzung des Internets als Kampagneninstrument, die Ansprache von speziellen Wählergruppen und der Kampf um die Swing States. Trentmann kommt dabei zu erstaunlichen Ergebnissen. Sie geht nicht davon aus, dass in dieser Wahlschlacht grundlegend neue Strategien zur Anwendung kamen: „Meine These ist, dass es vielmehr neue Instrumente und Technologien als grundsätzlich neue Strategien waren.“

Die Nutzung des Internets hat eine wesentliche Rolle gespielt, zumal die Gatekeeper-Funktion der Medien damit zum Teil ausgeschaltet wurde. Obamas Webseite war nicht nur eine Informationsquelle, sondern auch „das Kommunikationsmittel der Kampagne, das Vehikel zum Mitmachen, ein Souvenirladen im World Wide Web und der Ort, wo Barack Obama einen Großteil seiner Spenden akquiriert“ (39) hat. Bei allem Respekt für die erste umfassende Internet- und YouTube-Kampagne ist für Trentmann aber erkennbar, dass das Team Obamas mit der Nutzung des Internets nichts Anderes gemacht hat als Kennedy 1960 bei der Nutzung des Fernsehens. Obamas Strategen haben die Nutzung des Instruments Internet professionalisiert und perfektioniert.

Mindestens ebenso wichtig waren für Trentmann die Ansprache von speziellen Wählergruppen und der Kampf um die Swing States. Herausgehoben wird, dass die gesamte Kampagne eine außergewöhnliche Qualität hatte. „Gleichzeitig sind aber Faktoren wie die Finanzkrise, die acht Jahre Bush-Regierung mit bescheidenem Erfolg, die beiden Kriege und nicht zuletzt ein nicht ansatzweise so überzeugender Kandidat der republikanischen Seite in die Analyse mit einzubeziehen“ (113-114). Was das Buch besonders interessant macht, sind die vielen Quellen. Trentmann hat ihre Interviews mit amerikanischen Wahlkampfexperten, den Wahlkampfmanagern der Bundestagsparteien und deutschen Wissenschaftlern sowie die Screenshots zahlreicher Webseiten in den Anhang aufgenommen. Sie liefern eine Fülle von Anregungen für Kampagnen-Praktiker und Parteienforscher.

Nina Trentmann (2009): Barack Obama gegen John McCain. Neue Strategien im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008? Marburg: Tectum-Verlag

(c) Armin König

Eine Antwort zu “Internetwahlkampf der Superlative – Wie Obama gewann

  1. Hallo!

    Ich denke wir haben in Deutschland derzeit Paradebespiele bezüglich Kampagnen.

    Zum einen das Dauerthema Rente. Hier wird derzeit aus aller Munde verkündet (heute in der SZ sogar diese Renate Künast), dass die Rente mit 67 unerlässlich ist. Gleichzeitig kommen neue Statistiken auf den Markt die unterstreichen, dass ältere Arbeitnehmer gefragt sind wie nie zuvor. Alles sehr dubios, sehr abgestimmt. Keine kritischen Äußerungen, kein Hinterfragen…alle sind derselben Meinung. Warum ist das so? Warum hinterfragt keiner, wieso es hier nur um „Arbeitnehmer-Rentner“ geht, und nicht, was richtig wäre, um „Erwerbstätige – nicht Erwerbstätige“? Dann würde die Rechnung schon anders aussehen. Warum moniert der Staat, dass er die gesetzliche Rentenkasse finanziell unterstützen muss, gleichzeitig aber ohne Murren die privaten Rentenversicherer unterstützt (Zuschüsse zur Riesterrente)? Wer verdient letztendlich daran (ausser Herr Riester, der viel, zuviel, Geld mit Vorträgen verdient). Was ist mit der Produktivitäts-steigerung, warum wird die nicht berücksichtigt usw.? (interessant sind hier die Äußerungen von Norbert Blüm).

    Zweites Beispiel: die Finanzkrise. Noch heute stellt sich ein gewisser Steinbrück als Retter der Nation da, ein Dampfplauderer der so schnell redet, dass sein Gehirn nicht mehr nachkomm (u.a. ehm. Aufsichtsratsmitglied der WestLB). Kein Nachfragen warum die grössten „Bad Banks“ in Deutschland entstehen, keine -richtige- Aufarbeitung der Finanzkrise, stattdessen wird alles schön geredet. Und auch keine Überprüfung, ob Steinbrück seine Aufsichtspflichten verletzt hat. Die Schuldigen dürfen heute wieder in den Medien Ratschläge erteilen. Dies ist für mich auch ein Paradebeispiel der Manipulation.

    Das dritte Beispiel ist die „Mär vom Sparen“. Vor ein paar Tagen präsentierte die britische Regierung das grösste Sparpaket aller Zeiten. Moment mal, wieso die Briten kam es mir in den Sinn. Wurde doch schon die „Eiserne Lady“ als grösste Sparerin geprießen. Was hat das Wirken von Margret Thatcher gebracht: nichts, nur neue Schulden und einen Abbau des Sozialsystems. Was brachte uns Sparzampano Hans Eichel: neue Schulden und Sozialabbau. Was wird uns weiteres Sparen bringen? Trotzdem wird das Sparen als einziger Weg dem Volk eingetrichtert, man muss sparen wie „die schwäbische Hausfrau“ es tut, als ob man ein Land führen kann wie einen Vierpersonenhaushalt.

    Meines Erachtens sind dies Kampagnen, die alles vorher in den Schatten stellt. Um festzustellen wer Interesse daran hat muss man nur nachforschen, wär daran verdient: Banken, Versicherungen, Politiker die in die private Wirtschaft wecheln, Leute wir Riester und und und.

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